Sarah, 28, Produktmanagerin aus Dublin, hat im Februar 2026 einen Job bei einem Zürcher Fintech angenommen. Statt zwei Monate im Hotel zu verbringen, zog sie direkt in ein möbliertes Zimmer von FeelAtHomeNow im Kreis 4 ein. Hier ihre erste Woche – in eigenen Worten.
Tag 0 – Ankunft
Mein Koffer war zu schwer, mein Schlaf zu kurz, und der Tram-Fahrkartenautomat sprach kein Englisch. Willkommen in Zürich.
Ich war seit Wochen aufgeregt – neuer Job, neue Stadt, neues Leben. Aber als ich am Hauptbahnhof ausstieg, hatte ich plötzlich diesen typischen Expat-Moment: Was tue ich hier eigentlich? Alles war fremd. Sauber, hübsch, organisiert – aber fremd.
Eine kurze Tramfahrt später stand ich vor der Adresse, die mir FeelAtHomeNow geschickt hatte. Vierter Stock, Altbau, hohe Decken. Schlüsselübergabe per Code, alles digital, freundliche WhatsApp-Nachricht: "Welcome Sarah, dein Zimmer ist Nr. 3."
Tag 1 – Das Zimmer
Mein Zimmer war kleiner, als ich gedacht hatte. Aber: Bett gemacht, Handtücher gefaltet, eine Pflanze auf dem Schreibtisch, WLAN-Passwort an der Tür. Es fühlte sich nicht wie ein Hotelzimmer an, sondern wie eines, in dem schon jemand gewohnt hatte – nur geputzt für mich.
Im Gemeinschaftsbereich: eine grosszügige Küche, ein Esstisch für sechs, ein Sofa mit einer leicht durchgesessenen Mitte. Auf der Anrichte ein handgeschriebener Zettel: "Hi neue Mitbewohnerin – Pizza am Donnerstag um 19 Uhr, falls Lust!"
Das war's. Ich war angekommen.
Tag 2 – Die Mitbewohner
Beim Kaffee morgens lernte ich Mateo kennen, einen Software Engineer aus Buenos Aires, der seit acht Monaten hier ist. Er erklärte mir in zwanzig Minuten mehr über Zürich, als jeder Reiseführer hätte können: welche Migros wann offen ist, warum man am Sonntag keine Wäsche aufhängt, wo man am Limmatufer am besten sitzt.
Abends kam Yuki nach Hause, eine UX-Designerin aus Osaka. Wir kochten zusammen – sie zeigte mir, wie man richtig Reis macht. Ich brachte irisches Soda Bread bei. Mateo schaute kopfschüttelnd zu und meinte: "Das funktioniert nie zusammen." Es funktionierte.
Tag 3 – Erste Challenges
Anmeldung beim Kreisbüro. Auf dem Hinweg verlief ich mich (Trams in Zürich fahren in alle Richtungen, mein Orientierungssinn ist nicht für Schweizer Präzision gemacht). Die Beamtin sprach Schweizerdeutsch in einer Geschwindigkeit, die mich überforderte. Ich lächelte, nickte, und war kurz davor zu weinen.
Dann kam der Moment, der das Gefühl von "fremd" zu drehen begann: Ein anderer Wartender, Mitte 50, lehnte sich rüber und übersetzte für mich. Auf Englisch. Mit einem trockenen Schweizer Humor: "Welcome to Switzerland. The first three forms are the worst. After that, you're one of us."
Tag 4 – Der Supermarkt-Shock
Migros statt Tesco, Coop statt SuperValu. Alles aussieht ähnlich, aber alles ist anders. Eier in Sechserpackungen aus der Region, Brot in 200 Sorten, Käse in einer Wand, die fast ein eigener Raum ist. Ich brauchte vierzig Minuten für einen Wocheneinkauf, der zu Hause zwölf gedauert hätte.
An der Kasse: kein Smalltalk, alles schnell, bezahlen mit TWINT (das ich noch nicht eingerichtet hatte), Karte funktionierte, Tüten musste ich selbst kaufen. Ich verliess den Laden mit dem Gefühl, ein kleines Abenteuer überlebt zu haben.
Tag 5 – Der erste Job-Tag
Erster Tag im Office. Meine Kollegen sind aus sieben verschiedenen Ländern, gearbeitet wird auf Englisch, Onboarding war strukturiert und freundlich. Mittags am Limmatufer mit zwei neuen Kolleginnen, dann zurück ins Büro für zwei Meetings.
Abends ging ich zu Fuss nach Hause – nur eine halbe Stunde quer durch die Stadt. Zürich bei Sonnenuntergang, der See in der Ferne, Tramklingeln, Menschen auf Velos. Es klickte zum ersten Mal: Das könnte mein Leben sein.
Tag 6 – Pizza-Abend
Donnerstag, 19 Uhr. Mateo bestellte vier Pizzas, Yuki brachte Wein, Patrick aus dem zweiten Stock (Engineer aus Australien) brachte zwei italienische Mitbewohner aus dem Nachbarhaus mit. Wir waren am Ende zu acht. Drei Sprachen am Tisch (Englisch, ein paar Brocken Deutsch, viel Lachen).
Ich erzählte von Dublin, von meinem alten Job, von der Angst vor dem Umzug. Mateo sagte: "Wir hatten alle die gleiche Angst. Das ist normal. Nach drei Monaten ist sie weg. Nach sechs vermisst du Dublin manchmal. Nach einem Jahr fühlst du dich hier zuhause."
Tag 7 – Der Sonntag
Erster Sonntag in Zürich. Läden zu, Stadt ruhig. Ich stand spät auf, machte mir Kaffee in der gemeinsamen Küche, las eine Stunde am offenen Fenster. Yuki schlug einen Spaziergang vor – wir gingen zum Üetliberg, zwei Stunden zu Fuss bergauf. Oben sahen wir die Stadt von oben, die Alpen im Hintergrund, alles still.
Auf dem Rückweg dachte ich: Ein Hotel hätte mir das nicht gegeben. Ein Hotel hätte mir ein Bett gegeben, ein Frühstück, eine Rezeption. Aber keinen Zettel auf der Anrichte. Keinen Mateo, der erklärt, wie der Zürcher Müll funktioniert. Keinen Pizza-Abend.
Warum Shared Living für mich besser war als ein Hotel
Ich hätte im Hotel wohnen können. Es wäre einfacher gewesen, in mancher Hinsicht. Aber ich wäre allein gewesen. Und Alleinsein in den ersten Wochen einer neuen Stadt – das ist die schnellste Art, sich nie wirklich anzukommen.
Shared Living gab mir vom ersten Tag an Menschen, die schon hier waren. Eine Küche, in der jemand kochte. Ein Sofa, auf dem jemand Netflix schaute. Stimmen im Flur. Ein Gefühl, dass dieses fremde Zürich auch ein Zuhause werden kann – und zwar schneller, als ich gedacht hätte.
Sechs Wochen später bin ich noch hier. Ich denke, ich bleibe.
— Sarah